Kein Handwerk, kein einheitlicher Tarif
Wer wissen will, was im Handwerk verdient wird, bekommt selten eine einzige Zahl. Anders als im öffentlichen Dienst mit TVöD gibt es im Handwerk viele Tarifwerke nebeneinander: Innungstarife je Gewerk und Region, den Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe mit seinen Lohngruppen, Haustarife größerer Betriebe und in vielen kleinen Betrieben frei verhandelte Löhne, die sich am Tarif orientieren. Das Gehalt hängt deshalb vom Gewerk, vom Bundesland, von der Betriebsgröße und sehr stark von der eigenen Qualifikation ab.
Die Spannen auf dieser Seite stammen aus Innungs- und Branchentarifen sowie den Gehaltsangaben in den Stellenanzeigen, die Meistertreff täglich sammelt. Sie gelten für Vollzeit und zeigen Bruttomonatsgehälter ohne Zuschläge. Der Gehaltscheck oben rechnet die Spanne je Gewerk und Erfahrungsstufe durch.
Ausbildung: Vergütung je Lehrjahr
Die Ausbildungsvergütung ist tariflich geregelt und steigt je Lehrjahr. Im SHK-Handwerk zahlt die Innung in Nordrhein-Westfalen 2026 rund 830 Euro im ersten, 880 Euro im zweiten, 950 Euro im dritten und 1.020 Euro im vierten Lehrjahr. Im Elektrohandwerk und am Bau liegen die Vergütungen ähnlich bis etwas höher; am Bau kommen Winterbauumlage und tarifliche Sonderzahlungen hinzu. Wer die Gesellenprüfung besteht, macht den größten Sprung der gesamten Laufbahn: vom Azubi-Gehalt zum Gesellenlohn verdoppelt bis verdreifacht sich der Monatsbetrag.
Gesellen: Einstieg und Erfahrung
Als Geselle liegt der Einstieg je nach Gewerk zwischen etwa 2.800 und 3.300 Euro brutto im Monat. Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik verdienen laut Redaktion 2.800–3.600 €, Anlagenmechaniker SHK 2.900–3.800 €, Metallbauer 2.800–3.700 €, Tischler 2.500–3.300 € und Maurer 3.000–3.800 €. Dachdecker kommen auf 2.900–3.700 €, Maler und Lackierer auf 2.500–3.300 €, Kfz-Mechatroniker auf 3.100–3.700 €. Im Lebensmittelhandwerk, etwa bei Bäckern mit 2.500–3.300 €, und im Garten- und Landschaftsbau mit 2.700–3.500 € liegen die Spannen etwas darunter, dafür sind Nacht- und Wochenendzuschläge üblich.
Mit drei bis fünf Jahren Erfahrung steigt der Lohn in fast allen Gewerken um 300 bis 500 Euro. Gesellen, die eigenständig Baustellen oder Kundendienst-Touren übernehmen, werden tariflich höher eingruppiert oder bekommen eine Funktionszulage. Regionale Unterschiede sind spürbar: In Bayern, Baden-Württemberg und Hamburg liegen die Löhne meist oberhalb der Spanne, in den ostdeutschen Flächenländern am unteren Rand.
Servicetechniker und Spezialisten
Wer sich auf gefragte Technik spezialisiert, verdient spürbar mehr. Servicetechniker im Außendienst liegen im SHK-Handwerk bei 3.600 bis 4.300 Euro, mit Servicewagen-Pauschale und Notdienstvergütung. Wärmepumpen-Spezialisten mit Herstellerzertifikat kommen auf 3.800 bis 4.500 Euro, Elektroniker mit Hochvolt- oder Photovoltaik-Qualifikation ähnlich. In der Industrie, etwa bei Instandhaltung oder Anlagenbau, werden Handwerksgesellen oft nach Metall- oder Chemietarif bezahlt und liegen dann nochmals darüber, allerdings mit Schichtarbeit.
Typische Zulagen im Handwerk: Notdienst-Bereitschaft mit 150 bis 400 Euro pro Woche, Zertifikatszuschläge mit 150 bis 300 Euro im Monat, Auslöse bei auswärtiger Montage, Servicewagen-Pauschale von 5 bis 8 Euro pro Tag steuerfrei, dazu Urlaubs- und Weihnachtsgeld nach Tarif. Diese Posten machen oft den Unterschied zwischen zwei auf dem Papier gleichen Stellen.
Meister: angestellt oder mit eigenem Betrieb
Der Meisterbrief ist im Handwerk der wichtigste Gehaltshebel. Angestellte Meister verdienen in den meisten Gewerken 4.500 bis 6.000 Euro brutto im Monat. Sie führen Teams, kalkulieren Aufträge, verantworten Qualität und Arbeitssicherheit und bilden aus. Bauleiter und Poliere im Bauhauptgewerbe liegen in einer ähnlichen Spanne, bei Großprojekten darüber. Wer den eigenen Betrieb führt, hat nach oben viel Luft: Je nach Betriebsgröße und Auftragslage sind 6.500 bis 14.000 Euro und mehr möglich, verbunden mit unternehmerischem Risiko und Verantwortung für Mitarbeiter.
Die Meisterprüfung kostet Zeit und Geld, wird aber über Aufstiegs-BAföG gefördert; viele Betriebe beteiligen sich an den Kosten, wenn der Geselle bleibt. Alternativ führen Techniker- und Fachwirt-Abschlüsse in Planung, Vertrieb und Betriebsleitung zu vergleichbaren Gehältern.
Bautarif: Lohngruppen im Bauhauptgewerbe
Für Maurer, Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker und Straßenbauer gilt der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe mit regionalen Lohntarifen. Facharbeiter mit abgeschlossener Ausbildung stehen in Lohngruppe 3 oder 4 und verdienen 2026 je nach Region etwa 3.000 bis 3.900 Euro brutto im Monat, Vorarbeiter und Werkpoliere in Lohngruppe 5 und 6 bis rund 4.500 Euro. Besonderheiten des Baus sind das Saison-Kurzarbeitergeld im Winter, die Auslöse bei auswärtigen Baustellen, die Fahrtkostenabgeltung und das 13. Monatseinkommen, das über die Sozialkasse SOKA-BAU abgesichert ist. Wer regelmäßig auf Montage ist, kommt mit Auslöse und Zuschlägen auf deutlich mehr als die Tabelle zeigt.
Ost und West, Stadt und Land
Die Lohnunterschiede zwischen den Regionen sind im Handwerk größer als in tarifgebundenen Großbetrieben. In Bayern, Baden-Württemberg und Hessen sowie in Hamburg und München zahlen Innungsbetriebe oft 10 bis 15 Prozent über dem Bundesschnitt, weil die Konkurrenz um Gesellen groß ist. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern liegen die Löhne näher am Tarif, dafür sind die Lebenshaltungskosten niedriger. Auf dem Land werben Betriebe mit Firmenwagen zur privaten Nutzung, Wohnungen oder Zuschüssen zur Fahrt; in der Stadt mit kürzeren Wegen, Weiterbildung und modernem Werkzeug. Vergleiche deshalb nicht nur den Monatslohn, sondern das gesamte Paket, das in den Stellenanzeigen auf Meistertreff zunehmend konkret genannt wird.
So verhandelst du im Handwerk
Im Handwerk wird häufiger individuell verhandelt als in tarifgebundenen Großbetrieben. Gute Argumente sind Zusatzqualifikationen mit Zertifikat, der Führerschein für Servicefahrzeuge, Erfahrung mit bestimmten Herstellern oder Systemen und die Bereitschaft zu Notdienst oder Montage. Frag nach dem Gesamtpaket: Firmenwagen, Werkzeug, Weiterbildung, Zuschläge und Sonderzahlungen gehören dazu. Die Stellenanzeigen auf Meistertreff nennen zunehmend konkrete Gehaltsangaben; vergleiche sie mit den Spannen im Gehaltscheck, bevor du in das Gespräch gehst.
Häufige Fragen
Welches Gewerk zahlt im Handwerk am besten?
Spezialisierte Gewerke mit Technikbezug: Elektro mit Photovoltaik- oder Hochvolt-Qualifikation, SHK mit Wärmepumpen-Zertifikat und Servicetechniker im Außendienst. Angestellte Meister liegen in allen Gewerken darüber.
Wie viel verdient ein Anlagenmechaniker SHK als Geselle?
Laut Innungstarif und den Anzeigen auf Meistertreff 2.900–3.800 € brutto im Monat, als Servicetechniker 3.600 bis 4.300 Euro, als Wärmepumpen-Spezialist 3.800 bis 4.500 Euro.
Was bleibt vom Handwerker-Gehalt netto übrig?
Der Gehaltscheck auf dieser Seite rechnet Brutto in Netto um. Bei 3.500 Euro brutto bleiben in Steuerklasse I rund 2.350 Euro, abhängig von Kirchensteuer und Krankenkasse.
Gibt es im Handwerk Weihnachts- und Urlaubsgeld?
In tarifgebundenen Betrieben ja: Die meisten Innungstarife und der Bautarif sehen Sonderzahlungen vor. In nicht tarifgebundenen Betrieben ist es Verhandlungssache und wird oft als Prämie gezahlt.
Wie viel verdient ein angestellter Handwerksmeister?
In der Regel 4.500 bis 6.000 Euro brutto im Monat, je nach Gewerk, Betriebsgröße und Verantwortung. Bauleiter und Poliere liegen ähnlich, bei Großprojekten höher.
Verdient man am Bau mehr als im Handwerk?
Der Bautarif liegt für Facharbeiter mit etwa 3.000 bis 3.900 Euro ähnlich wie Innungstarife, bietet aber Winterbauumlage, Auslöse und klare Lohngruppen. Spezialisierte Handwerksgesellen im Kundendienst verdienen oft mehr.
Lohnt sich der Wechsel vom Handwerk in die Industrie?
Finanziell meist ja, weil Metall- und Chemietarife höher liegen. Dafür gibt es Schichtarbeit und weniger Abwechslung; viele kehren nach einigen Jahren mit Erfahrung in den Handwerksbetrieb zurück.